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Zusammenarbeit und Koordination zwischen Grundschule und Realschule

So sehr sich die meisten Fünfklässler auch auf die neue Schule freuen, so sehr müssen sie sich doch auch umstellen auf ein völlig neues Lernen und Arbeiten. Anders als in der Grundschule werden in Klasse 5 die Schüler von mehreren Lehrern unterrichtet, der Klassenraum ist häufig nicht mehr so gemütlich, sie müssen oft in Fachräume wechseln, sie werden mit älteren, teils wenig verständnisvollen Schülern konfrontiert; Klassenarbeiten, Tests, Hausaufgaben sind umfangreicher, im Fach Englisch müssen plötzlich Vokabeln gelernt werden… Das Lernen wird insgesamt schwieriger, komplexer und zeitaufwändiger. Die Klassenstärke ist häufig größer als in der Grundschule, Kinder aus den verschiedenen Grundschulen müssen sich kennen lernen und aneinander gewöhnen, die Sozialstruktur der Klasse verändert sich. Der Schultag dauert insgesamt viel länger.

Um den Schülern den Übergang zur weiterführenden Schule zu erleichtern, wird die Kooperation zwischen abgebenden Grundschulen und aufnehmender Realschule frühzeitig im 4. Schuljahr begonnen. Dabei geht es auch darum, jenseits von Zeugnissen und Empfehlungen ein differenzierteres Bild über die Lernleistung und das Sozialverhalten der einzelnen aufzunehmenden Schüler zu erhalten. Die Koordinationslehrerinnen nehmen Kontakt mit den abgebenden Grundschulen auf, besuchen die Lehrer der 4. Schuljahre, nehmen - wenn möglich - gelegentlich am Unterricht in Klasse 4 teil (insbesondere in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch), um dort vermittelte Lernmethoden und Arbeitstechniken kennen zu lernen und die eigenen Kollegen darüber zu informieren.

Die Grundschullehrer werden eingeladen, im Unterricht der Realschule zu hospitieren, um ihrerseits unsere Unterrichtsinhalte und -formen kennen zu lernen (vor allem in Deutsch, Mathematik und Englisch). Sie haben außerdem die Möglichkeit, mit ihrem 4. Schuljahr oder mit einer Gruppe von Schülern, die die Realschule besuchen werden, an einer Unterrichtsstunde bei uns teilzunehmen.

Zum Ende des Schuljahres besuchen die Koordinationslehrer erneut die Grundschulen, um mit den abgebenden 4. Schuljahr-Klassenlehrern über die einzelnen Schüler zu sprechen, die zu uns kommen werden. So kann im Vorfeld geklärt werden, ob eine gemeinsame oder getrennte Unterbringung von Schülern einer 4. Klasse in der neuen 5. Klasse sinnvoll ist, Problemfälle (Krankheiten, Sozialverhalten, Elternhausprobleme) können besprochen, die neuen Klassenlehrer von Klasse 5 informiert werden.

Für ein besseres Verständnis der Grundschularbeit sollten die Schulbücher und Lehrpläne für Klasse 4 und die damit verbundenen Unterrichtsmethoden den Realschullehrern zu-gängig gemacht werden. Dasselbe gilt umgekehrt, so dass die Grundschullehrer ein klareres Bild von der Arbeit in der Realschule erhalten.

Zusammenarbeit der Lehrer einer Klasse

Um die Entwicklung einer positiven Lehrer-Schüler-Beziehung zu erleichtern, wird bei der Fachverteilung für eine Klasse darauf geachtet, dass möglichst wenig Lehrer die verschiedenen Fächer unterrichten, d.h. ein Lehrer mindestens zwei Fächer gibt. Damit die Schüler eine angemessene Lern- und Arbeitshaltung entwickeln können, ist es wichtig, dass alle Lehrer, die in einer Klasse unterrichten, gemeinsame Absprachen treffen (Arbeitsmaterialien, Umgang mit dem Hausaufgabenheft, Anfertigen von Berichtigungen usw.) und ihren Unterricht handlungsorientiert gestalten.

Für die produktive Zusammenarbeit innerhalb der Erprobungsstufe sind die jeweils vorgeschriebenen Erprobungsstufenkonferenzen wichtig, zu der auch die ehemaligen Grundschullehrer der 4. Schuljahre eingeladen werden. Unabhängig davon trifft sich die Klassenkonferenz bei Bedarf und tauscht zwischendurch ihre Erfahrungen mit den einzelnen Schülern aus, so dass gemeinschaftliches Arbeiten und Handeln in der Klasse immer wieder abgesprochen und reflektiert wird. Auch die parallel unterrichtenden Klassenlehrer (oder Hauptfachlehrer) treffen sich in unregelmäßigen Abständen, um ihre Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen.

Den Klassenlehrern der 5. Klassen werden Informationsblätter und „Checklisten“ zu Beginn des neuen Schuljahres zur Verfügung gestellt, um mit ihrer Klasse die ersten Schultage und Schulwochen sinnvoll zu planen („Sanfter Übergang“). Die Klassenlehrer bemühen sich um einen freundlich eingerichteten Klassenraum und um ein freundliches, liebevolles Miteinander, so dass der Bruch zwischen Grundschule und weiterführender Schule nicht zu hart ist.

Damit die zwei Jahre der Erprobungsstufe erfolgreich und von allen Beteiligten zufrieden stellend abgeschlossen werden können, muss das Lernen mit allen Sinnen erfolgen. Es müssen Lernsituationen geschaffen werden, die das Miteinander und die Übernahme gegenseitiger Verantwortung ermöglichen. Es müssen verstärkt Lern- und Arbeitstechniken (Pkt. 4) gelehrt werden, die es den Schülern ermöglichen, zu einem selbstständigen Arbeiten, zur Eigenverantwortung für ihre Bildung zu gelangen. Eine aktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus (Pkt. 3) soll gefördert werden. Die Lehrer sollen die Erfahrung machen können, dass sie gemeinsam erfolgreicher, stressfreier und damit zufriedener arbeiten, trotz der erschwerten, politisch verantworteten Rahmenbedingungen und der gesellschaftlichen Veränderungen, die den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule heute erschweren.

Zusammenarbeit mit den Eltern

Im Rahmen eines Elternabends, der in der Regel der erste Klassenpflegschaftsabend ist, wird den Eltern zu Beginn der Klasse 5 das Konzept der Erprobungsstufe erläutert und so versucht, eine weitestgehende Unterstützung der Schüler, aber auch der Schule selbst zu erreichen. Gleichzeitig werden den Eltern die Besonderheiten einer Ganztagsschule mitgeteilt.

Die Inhalte der unterschiedlichen Fächer, zumindest der Hauptfächer, werden den Eltern von Seiten der sie unterrichtenden Fachlehrer vorgestellt. Ebenso werden sie über Anzahl, Vorbereitung und Durchführung der Klassenarbeiten informiert. Dieser Punkt ist von besonderer Wichtigkeit, da viele Schüler von der Grundschule gewohnt sind, bereits geübte Aufgabenstellungen als identische Klassenarbeiten schreiben zu müssen. Gerade im Bereich der Lernorganisation sind die Schüler zunächst auf häusliche Hilfe angewiesen. Vielen Kindern fällt es schwer, ihre Arbeit richtig einzuteilen und sich auf die neue Vielfalt von Fächern und Aufgaben einzustellen.

Über den Termin der Klassenpflegschaftssitzungen hinaus richten viele Klassen Elternstammtische ein. Die Initiative und Organisation gehen oft von den Eltern selbst aus. So kann man sich besser kennen lernen und auch als Elterngruppe einer Klasse zusammenfinden. Da die Lehrer ebenfalls eingeladen werden, ergeben sich vielfältige Gesprächsmöglichkeiten. Unklarheiten können so möglichst frühzeitig geklärt werden. Zudem erleben die Eltern die eventuellen Schwierigkeiten ihres Kindes als solche, die auch andere Eltern kennen und die sich gemeinsam besser lösen lassen.
Manche Anregung zur gemeinsamen Arbeit kommt so auch aus dem Elternkreis. Die durchweg rege Teilnahme der Eltern zeigt einerseits ihre Bereitschaft, sich einbinden zu lassen, andererseits aber auch das Bedürfnis der Eltern nach Austausch und Kontakt. Etwas Besseres können wir uns als Schule nicht wünschen. Wenn die Kinder spüren, dass zwischen Schule und Elternhaus eine gute Zusammenarbeit besteht, lassen sich manche Probleme effektiver angehen. Die Schule erfährt in den Augen der Kinder eine größere Wertschätzung.

Darüber hinaus finden sich offizielle und nichtoffizielle Termine, um den Austausch zwischen Schule und Elternhaus in Gang zu halten. So sind dies die regelmäßigen Sprechzeiten der Lehrer, die Elternsprechtage, aber auch Klassen- und Schulfeste, viele Eltern- und Beratungsgespräche, die nach Bedarf auch kurzfristig durchgeführt werden müssen. Je nach Ausgangslage und Wunsch der Eltern können zu Beratungsgesprächen Fachleute als Beratende hinzugezogen werden. Um sprachliche Verständigungsschwierigkeiten auszuschließen, sind manchmal auch Vertreter der RAA anwesend.