|
Die neuen Rahmenvorgaben des Ministeriums für Schule, Jugend und Kinder (1/2004)
für die ökonomische Bildung in den Fächern Politik, Erdkunde und Geschichte
fordern – als eine besondere Aufgabe von Schule - dass die jungen Bürger und
Bürgerinnen darauf vorbereitet werden, selbstbestimmt und verantwortungsbewusst
ihre Rechte und Pflichten im Wirtschaftsleben wahrzunehmen. Insofern ist die
ökonomische Bildung ein unverzichtbarer Bestandteil der Allgemeinbildung. Um
diesem Auftrag Rechnung zu tragen, werden Teilbereiche des schulinternen
Curriculums in den entsprechenden Fächern ab dem Schuljahr 2004/2005
überarbeitet (Kap. III, 8 „Schülerfirma).
Ziele der ökonomischen Bildung liegen vor allem in der Vermittlung von
Kompetenzen zur Bewältigung bedeutsamer ökonomischer Problemstellungen in
folgenden Bereichen des wirtschaftlichen Handelns:
| |
• |
im privaten Haushalt; |
| |
• |
in der Arbeitswelt; |
| |
• |
als Wirtschafts- und Staatsbürger/in. |
Diese Aspekte müssen bei der Bearbeitung der unten aufgelisteten Fragestellungen
jeweils einzeln beleuchtet werden. Dabei soll der Unterricht bei der Behandlung
wirtschaftlicher Strukturen lebensnah und handlungsorientiert gestaltet werden.
Folgende Kompetenzen sollen durch die ökonomische Bildung in der Sekundarstufe I
erworben werden:
| |
• |
ökonomische Sachkompetenz; |
| |
• |
ökonomische Urteilskompetenz und |
| |
• |
ökonomische Entscheidungs- und
Handlungskompetenz. |
Grundlage zum Erwerb dieser Kompetenzen ist ein reflektiertes Wissen über
ökonomische Fakten, Strukturen und Funktionsweisen, das durch die Thematisierung
folgender Problemfelder erlangt werden soll:
| |
• |
Verkaufsstrategien und
Konsumentensouveränität; |
| |
• |
Marktprozesse zwischen Wettbewerb,
Konzentration und Marktmacht; |
| |
• |
Geldgeschäfte und Geldwertstabilität; |
| |
• |
Produktion – Technischer Fortschritt –
Strukturwandel; |
| |
• |
Arbeit und Beruf in einer sich
verändernden Industrie-, Dienstleistungs- und
Informationsgesellschaft; |
| |
• |
Einkommen und soziale Sicherung
zwischen Leistungsprinzip und sozialer Gerechtigkeit; |
| |
• |
Ökologische Herausforderungen/
Verhältnis von Ökonomie und Ökologie; |
| |
• |
Soziale Marktwirtschaft –
Herausforderungen durch Globalisierung und Internationalisierung. |
Die Methoden zur Vermittlung sollen einen persönlichen
Erkenntnisgewinn ermöglichen. Eine Kooperation mit außerschulischen Partnern
ist wünschenswert.
Die oben skizzierten Inhalte sollen kurzfristig in die schulinternen
Lehrpläne eingebaut werden. Dabei ist eine internetbasierte Fortbildung der
unterrichtenden Lehrkräfte durch „econo-mics.nrw.de“ hilfreich.
Als erster Schritt der notwendigen gemeinsamen Prozess- und
Ergebnisevaluation soll ab dem Schuljahr 2005/2006 in jeder Klasse 5 eine
Protokollmappe „Ökonomische Bildung“ geführt werden, die die SchülerInnen
bis zur Klasse 10 begleiten soll. In dieser Protokollmappe werden die
behandelten Themen und die dabei verwendeten Methoden zusammengefasst. So
können alle unterrichtenden Lehrer über die Jahre prüfen, welche Themen und
Methoden bereits behandelt worden und wo ggf. noch Lücken zu schließen sind.
Ebenso erleichtert eine solche Mappe die fächerverbindende Arbeit.
Weitere Zielvorhaben sind die Entwicklung einheitlicher Formen der
Leistungsüberprüfung und Absprachen über Bewertungsmaßstäbe. Ebenso sollen
die Protokollmappen in regelmäßigen Abständen und am Ende des ersten
Durchlaufes evaluiert werden.
Umsetzungsmöglichkeiten der Rahmenvorgaben im Fach
„Geschichte“ für die Jahrgangsstufen 5/6
|
Problemfelder |
Zentrale Inhalts-
und
Problemaspekte |
Unterrichtsthemen
|
|
Konsumsouveränität
- Verkaufsstrategien |
a)
Bedürfnis, Nachfrage, wirtschaftliches Handeln
b)
Konsum und ökologische Verantwortung |
Aus Jägern und
Sammlern werden Bauern und Handwerker
· Sammlerinnen und Jäger der Altsteinzeit
·
Überleben im Eiszeitalter
·
Die ersten Bauern
Der Mensch nutzt
und verändert die Natur
· Aus Nomaden werden Ackerbauern
· Ägypten – ein „Geschenk“ des Nils? |
|
Geldgeschäfte/
Geldwertstabilität |
Geldfunktion und
Sicherung des Geldwertes durch die EZB |
Die Erfindung des
Geldes erleichtert den Handel
· Tauschhandel in der Metallzeit
· Münzsystem und Geldwirtschaft bei den Griechen
·· Handel am Limes |
|
Produktion –
Technischer Fortschritt - Strukturwandel |
a)
Standortfaktoren, betriebliche Grundfunktionen
und betriebliche Kennziffern
b)
Innovation in der Produktion und Strukturwandel
|
Technischer
Fortschritt in der Frühzeit
· Erfindungen und Werkzeuge in der Jungsteinzeit
· Projekt: Zurück in die Steinzeit
· Kupfer, Bronze und Eisen – mit Metall geht vieles
besser |
|
Ökologische
Herausforderungen/ Verhältnis von Ökonomie und Ökologie |
c)
Ursachen und globale Aspekte ökologischer Krisen
d)
Qualitatives versus quantitatives Wachstum –
nachhaltiges Wachstum und Kreislaufwirtschaft
e)
Prinzipien der Umweltökonomie und Einsatz
umweltpolitischer Instrumente im nationalen und internationalen
Rahmen
f)
Innovationspotenziale ökologisch orientierter
Produktion |
Antike Umweltsünden
· Von fruchtbaren Feldern zur Salzsteppe
· Holzhunger in der Antike
· Thermen, Toiletten und dicke Luft
Umwelt früher und
heute
· Umwelt hat Geschichte
· Projekt: Menschen und Tiere in der Geschichte
· |
Umsetzungsmöglichkeiten für die Jahrgangsstufe 7
|
Problemfelder |
Zentrale Inhalts-
und
Problemaspekte |
Unterrichtsthemen
|
|
Markt/
Marktprozesse |
a)
Die Koordination von Angebot und Nachfrage am
Markt und Funktionen des Marktpreises
b)
Wettbewerb versus Konzentration Marktgeschehen
und staatlicher Ordnungsrahmen |
Handel und Handwerk
im Mittelalter
· Markttag in der Stadt
· „Der meist Theil sich mit Handwerck nährt“
· Fernleute verbinden die Städte
· Fernhandel bringt guten Gewinn |
|
Geldgeschäfte/
Geldwertstabilität |
a)
Geldfunktion und Sicherung des Geldwerte durch
die EZB
b)
Kreditformen und Vermögensanlage |
Banken, Geldhandel
und Kredit
·
Regiert das Geld die Welt?
·
Geldhandel und frommes Leben |
|
Soziale
Marktwirtschaft/
Herausforderung d.
Internationalisierung und Globalisierung |
a)
vom nationalen Markt zum europäischen Binnenmarkt
b)
Der Prozess der Globalisierung, Chancen und
Risiken
c)
Wirtschaftsbeziehungen zwischen unterschiedlich
entwickelten Ländern |
Amerika wird
entdecket - und ausgebeutet
· Christoph Kolumbus entdeckt Amerika
· Auf der Suche nach den Schätzen Indiens
· Seit 500 Jahren kein Ende der Ausbeutung: Der
Reichtum der „Neuen Welt“ |
Umsetzungsmöglichkeiten für die Jahrgangsstufe 8
|
Problemfelder |
Zentrale Inhalts-
und
Problemaspekte |
Unterrichtsthemen
|
|
Produktion –
Technischer Fortschritt - Strukturwandel |
a)
Unternehmensformen und die Rolle der
Unternehmerin/ des Unternehmers in der Marktwirtschaft
b)
Standortfaktoren, betriebliche Grundfunktionen
und betriebliche Kennziffern
c) Innovation in der Produktion und Strukturwandel
|
Die Rolle von
Unternehmen in der Geschichte
· Die Fugger in Augsburg
· Unternehmer zur Zeit der Industrialisierung
Standort GB und
Stantort D
· Warum gerade England?
· Deutschland wird Industrieland
· Das Ruhrgebiet wird zur größten Industrieregion
Von der
Dampfmaschine zum Strukturwandel
· Der Aufbruch ins „Industriezeitalter“
· Mit Volldampf voraus!
· Projekt: Ein Besuch im Landschaftspark
Duisburg-Nord |
|
Arbeit und Beruf in
einer sich verändernden Industrie-, Dienstleistungs- und
Informationsgesellschaft |
a)
Berufswahl und Berufswegplanung
b)
Arbeitsmarkt und Wandel in der Arbeitswelt durch
technischen Fortschritt und Globalisierung
c)
Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretungen,
Tarifverträge und Tarifautonomie |
Strukturwandel und
„dritte industrielle Revolution“
·
Von der „Maloche“ zur Dienstleitung
Arbeitnehmer
fordern Rechte und Sicherheit
·
Arbeiter kämpfen für soziale Gerechtigkeit |
|
Einkommen und
soziale Sicherung zwischen Leistungsprinzip und sozialer
Gerechtigkeit |
a)
Primärverteilung des Einkommens,
Verteilungsungleichheiten und staatliche Umverteilung
b)
Soziale Risiken: Systeme der sozialen Sicherung
und Formen der privaten Vorsorge
c)
Grenzen der sozialen Sicherung -
Bevölkerungsentwicklung und Wirtschaftswachstum |
Die soziale Frage:
· Die Industrialisierung bringt Probleme
· Kindheit und Jugend im Industriezeitalter
· Frauen auf dem Weg zur Emanzipation
· Kirchen, Staat und Unternehmer regieren
· Die Diakonie aus Kaiserswerth |
|
Soziale
Marktwirtschaft/
Herausforderung d.
Internationalisierung und Globalisierung |
a)
vom nationalen Markt zum europäischen Binnenmarkt
b)
Der Prozess der Globalisierung, Chancen und
Risiken
c)
Wirtschaftsbeziehungen zwischen unterschiedlich
entwickelten Ländern |
Fernhandel – ein
lohnendes Geschäft:
· Die Hanse
· Europäische Handelswege
· Verlockender Indienhandel
„Ein Platz an der
Sonne“:
· Die Europäer teilen die Welt unter sich auf
· Indien wird britische Kolonie
· Afrika – herrenloses Land?
·
Das Deutsche Reich wird Kolonialmacht
·
Ausbeutung und Vernichtung
·
Afrika heute
· Projekt: Kolonialwaren gestern und heute |
Umsetzungsmöglichkeiten für die Jahrgangsstufe 9
|
Problemfelder |
Zentrale Inhalts-
und
Problemaspekte |
Unterrichtsthemen
|
|
Arbeit und Beruf in
einer sich verändernden Industrie-, Dienstleistungs- und
Informationsgesellschaft |
Arbeitnehmer- und
Arbeitgebervertretungen, Tarifverträge und Tarifautonomie |
Entstehung von
Arbeitnehmervertretungen:
· Einigkeit macht stark
· Feindliche Verwandte – die Spaltung der
Sozialdemokratie in Deutschland |
|
Einkommen und
soziale Sicherung zwischen Leistungsprinzip und sozialer
Gerechtigkeit |
Primärverteilung
des Einkommens, Verteilungsungleichheiten und staatliche
Umverteilung |
Soziale
Ungleichheit – Grundprinzipien sozialistischer Lösungsversuche:
· Sozialismus – immer noch Hoffnungsträger?
· Eigentum – ein problematisches Menschenrecht?
· Eine gerechtere Gesellschaft schaffen – aber wie?
· Marx und Engels – Begründer des „wisschenschaftlichen
Sozialismus“
· Lenin und die russische Revolution
· Neubeginn 1945 – Anpassung und Richtungssuche
· Internationaler Sozialismus heute - Organisation,
Ziele, Möglichkeiten |
|
Soziale
Marktwirtschaft/
Herausforderung d.
Internationalisierung und Globalisierung |
a)
vom nationalen Markt zum europäischen Binnenmarkt
b)
Der Prozess der Globalisierung, Chancen und
Risiken
c)
Wirtschaftsbeziehungen zwischen unterschiedlich
entwickelten Ländern |
Die europäische
Einigung:
· Die Spaltung Europas
· Stationen der Integration Westeuropas
· „Osterweiterung“ Europas
· Hochgesteckte Ziele |
Umsetzungsmöglichkeiten der Rahmenvorgaben für die Jahrgangsstufe 10
|
Problemfelder |
Zentrale Inhalts-
und
Problemaspekte |
Unterrichtsthemen
|
|
Markt/
Marktprozesse |
a)
Die Koordination von Angebot und Nachfrage am
Markt und Funktionen des Marktpreises
b)
Wettbewerb versus Konzentration Marktgegeschen
und staatlicher Ordnungsrahmen |
· Die
Wirtschaftssysteme in der Bundesrepublik und in der DDR
· Markt-
und Planwirtschaft
|
|
Geldgeschäfte/
Geldwertstabilität |
a)
Geldfunktion und Sicherung des Geldwertes durch
die EZB
b)
Kreditformen und Vermögensanlage |
· Inflation
in der Weimarer Republik - Das Krisenjahr 1923
|
|
Ökologische
Herausforderung/ Verhältnis von Ökonomie und Ökologie |
a)
Ursachen und globale Aspekte ökologischer Krisen
b)
Prinzipien der Umweltökonomie und Einsatz
umweltpolitischer Instrumente im nationalen und internationalen
Rahmen |
· Landwirtschaftspolitik
in der EU - Zwischen Butterbergen und Milchseen – Landwirtschaft in
der EG |
|
Soziale
Marktwirtschaft/
Herausforderung d.
Internationalisierung und Globalisierung |
a)
vom nationalen Markt zum europäischen Binnenmarkt
b)
Der Prozess der Globalisierung, Chancen und
Risiken
c)
Wirtschaftsbeziehungen zwischen unterschiedlich
entwickelten Ländern |
Der
Nord-Süd-Konflikt
· Armut
und Unterentwicklung-Konfliktfelder der Weltpolitik
· Probleme
des „Nordens“- Probleme des „Südens“
· Agenda
21 – Ein Überlebensprogramm für „Nord“ und „Süd“?
· Eine
neue Weltgesellschaft? |
|