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Ein Schwerpunkt der Schulprogrammarbeit ergibt sich aus der allgemeinen
gegenwärtigen Tendenz einer „Verkümmerung“ der sprachlichen und schriftlichen
Leistungen unserer Schülerinnen und Schüler. Bei durchaus vorhandenem
Verständnis von fachspezifischen Lerninhalten zeigen sie erschreckende Probleme
bei der Versprachlichung oder Verschriftlichung ihrer Gedanken.
Dass in unserer von elektronischen Medien stark beherrschten Gesellschaft
Lesemotivation und Lesekompetenz als Voraussetzung für eine gute Sprachkompetenz
sinken, ist lange bekannt. Sicherlich tragen – abgesehen vom Einfluss der Medien
– auch bildungspolitische Aspekte (z.B. die Trennung von Leseunterricht in der
Grundschule gegenüber Literaturunterricht in der Sekundarstufe) sowie
unterrichtsmethodische Aspekte (z.B. die Dominanz des fragend-entwickelnden
Unterrichtsgesprächs) zu dieser Negativ-Tendenz bei.
Das besorgniserregende Ergebnis der PISA-2000-Studie, nach dem fast ein Viertel
der 15-Jährigen in Deutschland allenfalls in der Lage ist, einfachste Texte zu
verstehen und deutlich erkennbare Informationen daraus zu entnehmen, lässt die
Erstellung eines schulischen Konzeptes zur „Förderung der deutschen Sprache“
deutlich werden. Hier besteht sofortiger Handlungsbedarf.
Das Beherrschen der deutschen Sprache in Wort und Schrift ist Voraussetzung, um
aus Texten Informationen zu entnehmen, sie zu deuten und zu bewerten. Diese
Texte haben ganz unter-schiedliche Formen: in der Schule sind es eher
Fachbücher, Ganzschriften, Kurzgeschichten, Gedichte, Lexika; im Alltag eher
Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Internet-Beiträge, Song-Texte,
Gebrauchsanweisungen usw.
Zudem ist das Beherrschen der deutschen Sprache notwendig, um Texte verständlich
und wirkungsvoll ihrer Intention gemäß zu gestalten und einzusetzen, zum
Beispiel um einen Sachverhalt sprachlich klar darstellen zu können.
Die Förderung der deutschen Sprache kann nicht mehr nur Aufgabe des
Deutschunterrichts sein. Alle Fächer müssen eine gemeinsame Verantwortung für
den Ausbau der sprachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder und
Jugendlichen entwickeln. Bei dieser Kooperation aller Fächer, die als Ausweg aus
dem gegenwärtigen Dilemma verpflichtend sein muss, ist die Bedeutung der Sprache
als Medium des Unterrichts von allen Fächern anzuerkennen und herauszustellen.
Fast alles Lernen wird sprachlich vermittelt. Alle Fachlehrer sind hier
gefordert.
Auch sei an dieser Stelle auf die Wechselwirkung von sprachlichen und fachlichen
Fähigkeiten hingewiesen, was bedeutet: Nur wenn eine Schülerin oder ein Schüler
einen Sachverhalt sprachlich klar darstellen kann, ist gewährleistet, dass
sie/er ihn auch verstanden hat.
Die Steigerung der Lese-, Rechtschreib- und Sprachkompetenz ist zukünftig somit
nicht alleinige Aufgabe des Deutschunterrichts, sondern die Förderung der
deutschen Sprache wird zur Aufgabe aller Fächer. Als Grundlage eines
Förderkonzeptes sind folgende Punkte für Kolleginnen und Kollegen als
verbindlich anzusehen:
a) Entwicklung und Einhaltung von Gesprächsregeln innerhalb des Klassenraums
Dies trifft zum einen den äußeren Rahmen der Gesprächsbedingungen, da bei
Nicht-Beachtung gewisser Regeln - wie zum Beispiel das „Dazwischenreden“ – ein
sinnvolles Unterrichtsgespräch grundsätzlich nicht möglich ist. Zum anderen
werden darüber hinaus die Schülerinnen und Schüler aufgefordert,
„Ein-Wort-Antworten“ zu vermeiden und grundsätzlich in vollständigen Sätzen zu
sprechen.
b) Steigerung der Sprechanlässe sowie Anhaltung zu längeren Redebeiträgen
Das laute Lesen (Vorlesen) und gestaltende Vortragen ist zu fördern. In diesem
Zusammenhang sei auf die Möglichkeit der Wiederholung von Lerninhalten und auf
die Darstellung von Arbeitsergebnissen hingewiesen. Je nach Fach bieten sich zur
Schaffung höherer Sprechanteile der Schülerinnen und Schüler auch
Zusammenfassungen, Beschreibungen (von Lösungswegen, Versuchen etc.),
Erklärungen (von Diagrammen, Schaubildern, Statistiken, Karikaturen etc.),
Aufstellen von Hypothesen, Diskussionen, Kurzvorträge u.a. an. Wichtig erscheint
hierbei, dass Sachzusammenhänge möglichst mit eigenen Worten und – wie schon in
a) erwähnt – in vollständigen Sätzen wiedergegeben werden.
c) Steigerung der Schreibanlässe und Verstärkung der Textarbeit
Der Einsatz von Aufgaben und Textfassungen – von der Faktenentnahme bis hin zur
Interpretation – ist zu erhöhen. Hilfreich können hierbei Techniken der
Texterschließung wie Gliederung, Herausarbeitung von Kernsätzen oder Kernwörtern
sein. Je nach Fach sollten die Schülerinnen und Schüler durchaus öfter zur
eigenständigen und kreativen Textproduktion ermutigt werden.
Auch die kurze schriftliche Beantwortung themenorientierter Fragen als
Stillarbeit sollte verstärkt im Unterricht genutzt werden. Besondere Beachtung
ist auf die schriftliche Fixierung des behandelten Lernstoffes zu legen.
Tafelbilder müssen übertragen werden.
In allen Fächern ist eine so genannte „Heftführung“ für alle Schülerinnen und
Schüler Pflicht, d.h. jeder führt in den jeweiligen Fächern entweder ein DIN A
4-Heft und einen Schnellhefter für Arbeitsblätter oder ersatzweise nur einen
Schnellhefter, in den sowohl Arbeitsblätter als auch beschriftete
Ringbucheinlagen kommen.
Auf formale Kriterien wie Datum, Überschrift, Aufgabenstellung, Absätze und Rand
für Korrekturen ist Wert zu legen. Das Heft wird im Laufe des Schuljahres vom
Fachlehrer eingesehen, kontrolliert und benotet. Die Heftbenotung mit den
Bewertungskriterien Sauberkeit, Vollständigkeit, Richtigkeit und Rechtschreibung
fließt in die Gesamtnote ein.
d) Verstärkung der Aufmerksamkeit für Rechtschreibung und Zeichensetzung
durch Korrekturzeichen
Ab sofort sind Korrekturen bei Lernerfolgskontrollen/Tests durchzuführen. Fehler
werden mit den aus dem Deutschunterricht übernommenen Korrekturzeichen versehen
und in einer von den Schülern anzufertigenden Berichtigung korrigiert. Hierfür
gelten einheitlich folgende verbindliche Korrekturzeichen: Rechtschreibfehler
(O), Zeichenfehler (Z), Grammatikfehler (Gr), Ausdrucksfehler (A).
Während bei der Berichtigung Rechtschreibfehler dreimal (bei Nomen: mit Artikel)
geschrieben werden, sind alle anderen Fehler im ganzen Satz oder sinnvoll
verkürztem Teilsatz zu verbessern.
Eine gewisse Fehlerzahl kann die Note in geringem Maße senken. Vorschlag: Je
nach Anzahl der zu erreichenden Punkte könnte es für jeweils ca. 6 Fehler einen
Abzug von einem Punkt geben.
e) Anleitung zu selbstständiger Fehlerkorrektur bei Klassenarbeiten,
Lernerfolgskontrollen/Tests und Heftführung
Die Schülerinnen und Schüler werden verpflichtet, sich mit Beginn des 5.
Schuljahres einen Duden „Die deutsche Rechtschreibung“ anzuschaffen. Außerdem
sollte jede Klasse über einen weiteren Duden verfügen, den die Schüler dann z.B.
während der Hausaufgabenstunde nutzen können. Der Umgang mit dem Duden wird im
Deutschunterricht der 5. Klasse eingeübt. Alle haben dadurch die Möglichkeit
angestrichene Fehler im Duden nachzuschlagen und selbstständig zu korrigieren.
Art und Weise der Korrektur sollte sich mit der für die Lernerfolgskontrolle (Pkt.
e) decken. Sinnvoll ist in den Jahrgängen 5 und 6 das zusätzliche Unterstreichen
der verbesserten Stellen mit einem farbigen Stift (Rot vermeiden).
Berichtigungen müssen nachgesehen werden. Stark fehlerhafte Berichtigungen
erfordern eine Nachberichtigung.
f) Sicherung des Fachwortschatzes und seiner rechtschriftlichen Form
Um den Fachwortschatz zu beherrschen und ein Nachschlagen zu ermöglichen,
erscheint die Anlage eines Vokabelheftes angebracht. Hier könnte auch der
Fachwortschatz aus verschiedenen Fächern zusammengetragen werden. Zumindest
jedoch sind einige Seiten für derartige „Lexikon-einträge“ im Heft einzuplanen.
Hier werden unbekannte Wörter fixiert, erklärt und wie in einem Nachschlagewerk
gesammelt, wobei durch das Eintragen auch die rechtschriftliche Form eingeübt
wird.
g) Einschränkung der Verwendung von Lückentexten und Multiple
Choice-Antworten
Natürlich ist die Versuchung groß, den Korrekturvorgang durch Aufgabenstellungen
in Form von Lückentexten und Multiple-Choice-Antworten zu beschleunigen. Da dies
aber die Schüler davon abhält, in ganzen, eigenständig verfassten Sätzen zu
antworten (Pkt. a), sollte von dieser Form der Lernerfolgskontrolle nur sehr
sparsam Gebrauch gemacht werden.
Förderung der Schüler mit Migrationshintergrund
Seit 15 Jahren bietet unsere Schule bereits allen Schülern mit einem
Migratonshintergrund, die nicht am konfessionellen Religionsunterricht
teilnehmen, an, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten im Gebrauch der deutschen
Sprache zu erweitern und zu vertiefen. Hierzu stehen ihnen 2 Stunden pro Woche
zur Verfügung.
Der Unterricht wird von Deutschlehrern durchgeführt, die sich im Interesse der
Gleichbehandlung aller Klassenkameraden bemühen, die Förderung der
Sprachkompetenz auf Seiten der Schüler auch ohne Notengebung erfolgreich zu
gestalten. Dazu bedarf es der Einsicht und Mitgestaltung durch die Schüler, was
in den meisten Fällen auch gelingt, da die Lehrer die Unterrichtsinhalte
aufgrund eines besonderen didaktisch-methodischen Konzeptes der jeweiligen
Lerngruppe anpassen können. Generell soll der Deutsch-Förderunterricht den
regulären Deutschunterricht begleiten. Da die teilnehmenden SchülerInnen jedoch
in der Regel aus drei verschiedenen Deutschklassen stammen, erscheint es
sinnvoll, ein Konzept für die Unterrichtsinhalte des Deutsch-Förderunterrichts
zu entwickeln.
Ganz besonders das Lernen ohne Notendruck liegt vielen Schülern, manche aber
vermissen ihn. So erhalten die Schüler seit dem Schuljahr 2002/03 „Anmerkungen
zum Arbeitsverhalten“ als Anlage zum Zeugnis, das von den Eltern unterschrieben
werden muss. Da die Schüler meist sehr unterschiedliche Sprachkompetenzen haben,
muss teilweise binnendifferenziert gearbeitet werden, was aufgrund der in der
Regel relativ kleinen Lerngruppe (15-20 Schüler) leichter möglich ist. Sinnvoll
erscheint weiterhin z. B. in den Klassen 8 – 10 projektorientierter Unterricht,
der gut angenommen wird. Wie aus diesen Beispielen deutlich wird, verlangen
unsere Deutsch-Förderklassen und das damit verbundene recht offene Curriculum
vor allem auf Seiten der unterrichtenden Lehrer besondere Flexibilität und hohes
Engagement.
Bei der Einrichtung des Deutsch-Förderunterrichts war es unserer Schule ein
besonderes Anliegen, den ausländischen Schülern zu größerer Chancengleichheit zu
verhelfen, was ihren späteren beruflichen Werdegang betrifft. Im Hinblick auf
die Förderung der deutschen Sprache in allen Fächern ist es nun über den
Deutschunterricht hinausgehend erforderlich, Texte aus den Fachunterrichten
einfließen zu lassen, um die Schüler zusätzlich zu fördern.
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