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Seit Mitte der 60er Jahre gibt es in den USA Programme, deren Entwicklung dem
Ziel diente, Kindern und Jugendlichen Kompetenzen zur Konfliktlösung und
Streitschlichtung zu vermitteln.
Anfang der 90er Jahre fand die Streitschlichtung in Deutschland zunächst an
Haupt- und Gesamtschulen Eingang in Schulprogramme. Immer häufiger zeigt sich
aber, dass auch Realschulen und Gymnasien Streitschlichtungsprogramme in ihrer
Schule integrieren. Hierdurch lässt sich nicht nur das Schulklima verbessern,
sondern Lehrkräfte werden auch von Alltagskonflikten entlastet. Ein ganz
wesentlicher Aspekt zeigt sich darin, dass Schülerinnen und Schülern durch die
Mitarbeit in und Nutzung von Streitschlichtungsprogrammen soziale Kompetenzen
vermittelt werden, die ihnen den Umgang mit Gleichaltrigen erleichtern.
Streitschlichtungsprojekte ermöglichen es, eine sinnvolle Streitkultur unter den
Schülern zu etablieren, wodurch sie die Fähigkeit erlangen, vernünftig mit
Konflikten umzugehen und diese schließlich selber zu lösen. Auch die Stärkung
der Selbstverantwortung der Schülerinnen und Schüler bei der Suche nach Lösungen
und die Förderung des respektvollen Umgangs miteinander sind klare Vorteile der
Streitschlichtung.
Was ist Streitschlichtung bzw. Mediation?
Mediation bedeutet „Vermittlung“ und ist ein Verfahren zur Konfliktlösung.
Konflikte sind ein Signal dafür, dass etwas nicht stimmt und verändert werden
muss. Sie gehören zu unserem Alltag und sind von daher auch nichts Negatives,
was durch Sanktionen sofort eingeschränkt werden sollte.
In unserer Konkurrenzgesellschaft geht es häufig darum, den anderen zu besiegen.
Wer siegt, konkurriert erfolgreich. Wie weit Konkurrenzverhalten unseren Alltag
prägt, zeigt sich auch im Freizeitbereich. Fast alle Spiele funktionieren nach
dem Gewinner-Verlierer-Prinzip.
Das Schlichtungsprogramm aber hat eine andere Zielsetzung: das sog.
Win-Win-Prinzip – eine Lösung ohne Verlierer. Dieses Konfliktmuster zeichnet
sich u. a. durch folgende Aspekte aus: „Ich will den Konflikt lösen“, „Ich will
mich einigen.“ Also ist eine Lösung für beide Parteien wichtig. Die konstruktive
Konfliktlösung soll von den Konfliktpartnern selbst vollzogen werden, wobei die
Kontrahenten von einem Mediator angeleitet werden.
Ein Mediator ist hierbei eine unparteiische dritte Person [oder mehrere], die
bei der Konfliktlösung behilflich ist [sind]. Dies beinhaltet zugleich, dass die
Lösung des Konfliktes nicht automatisch vorgegeben ist, sondern durch die
Konfliktpartner selber erarbeitet wird. Die Grundidee der Streitschlichtung
zeigt sich darin, dass eine Lösung gefunden wird, mit der alle Streitparteien
einverstanden sind. Hierbei kommt den Streitschlichtern eine wichtige Aufgabe
zu. Sie helfen den Betroffenen, sich über ihre Gefühle und Interessen klar zu
werden und sie verständlich zum Ausdruck zu bringen. Gemeinsam wird
Verantwortung für das Problem übernommen und eine gemeinsame, von beiden
Konfliktparteien akzeptable Lösung gesucht.
Die Streitschlichtung an der Erich Kästner-Realschule
Im Rahmen des Streitschlichterprojektes sind an der Erich Kästner-Realschule
seit dem Schuljahr 2005/06 sechs Streitschlichterinnen aktiv. Bei diesem Projekt
handelt es sich um eine freiwillige AG, die einmal in der Woche stattfindet. In
zusätzlichen Nachmittagsstunden haben die Schülerinnen zunächst ihr
„Grundrüstzeug“ für ihre Aufgabe als neutrale Konfliktmediatoren erhalten. In
der AG wird die Ausbildung weitergeführt. Diese Ausbildung beinhaltet u.a.
aktives Zuhören, die Bedeutung von Körpersprache, Ich-/Du-Botschaften im
Gespräch, Einübung von Konfliktgesprächen durch unterschiedliche Rollenspiele,
Analyse von Videomaterial. Hierbei handelt es sich nur um einen kleinen Auszug
der Ausbildung zum Streitschlichter.
Die vier Schritte der Schlichtung:
Der Ablauf des Schlichtungsgespräches erfolgt immer nach dem gleichen Muster und
wird in regelmäßig wiederkehrenden Rollenspielen eingeübt:
1. Einleitung:
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Begrüßen |
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Ziele verdeutlichen (Streitende suchen selbst nach
Lösungen) |
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Grundsätze benennen (Vertraulichkeit, Neutralität) |
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Schlichtungsprozess erklären (Standpunkte vortragen,
Lösungen suchen, Vereinbarungen schriftlich festhalten) |
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Gesprächsregeln festhalten (nicht unterbrechen,
nicht beschimpfen)
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2. Klärungen:
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Berichten (Konfliktparteien tragen ihre Sicht des
Konfliktes vor) |
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Zusammenfassen (SchlichterIn wiederholt wesentliche
Punkte) |
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Nachfragen |
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Anteile am Konflikt klären („Kannst du sagen, was du
zum Konflikt beigetragen hast?“)
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3. Lösungen:
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Lösungsmöglichkeiten überlegen |
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Lösungsmöglichkeiten aufschreiben und gemeinsam
bewerten |
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Lösungen vereinbaren
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4. Vereinbarungen:
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Vereinbarungen aufschreiben (Die Lösung
muss genau formuliert werden: Wer will wann und wo was
tun, um den Konflikt beizulegen?) |
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einfache neutrale Wörter benutzen |
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Vereinbarungen unterschreiben
(Vereinbarung muss von beiden Parteien gebilligt werden) |
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Verabschiedung |
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Die räumlichen Voraussetzungen haben die SchülerInnen in kreativer Eigenregie
geschaffen. Jeweils montags, mittwochs und freitags in der ersten großen Pause
ist der Streitschlichterraum durch jeweils zwei Mediatoren besetzt und bietet
somit den SchülerInnen der Erich-Kästner-Realschule die Möglichkeit einer
Anlaufstelle bei auftretenden Konflikten. Hat sich ein Streit zwischen zwei
SchülernInnen ereignet und beide Kontrahenten einigen sich auf die
Streitschichtung, sollte diese möglichst bald stattfinden. In den Pausen
verbleibt häufig nicht genug Zeit, den Streit endgültig beizulegen. Von daher
gibt es zwei Lösungen, zwischen denen die Streitschlichter wählen können. Ist
eine baldige Einigung in erreichbarer Nähe, besteht die Möglichkeit, bei den
FachlehrerInnen der folgenden Stunde um eine Beurlaubung für die Dauer der
Schlichtung zu bitten. Die Alternative wäre, die Schlichtung auf einen späteren
Zeitpunkt zu verlegen.
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